Titel

Ein neuer Morgen

Das erste zaghafte Licht der Morgendämmerung am fast wolkenfreien Himmel verdrängte ganz allmählich die tiefe Schwärze der Nacht. Noch lag an diesem milden Dezembermorgen die Stille über der Insel. Kein Mensch, kein Vogel und keine Maschine war zu hören, nur das stetige Schlagen der Wellen gegen die Überreste aus Beton einer versunkenen Epoche. Paulina blinzelte erst mit dem einen, dann mit dem anderen Auge. Wie immer war sie die erste ihrer Möwenkolonie auf Helgoland, die schon lange vor dem Sonnenaufgang erwachte. Nachdem sie beide Augen geöffnet hatte, hob sie ihren Kopf und schaute sich vorsichtig um. Alle schliefen noch. Langsam hob die kleine Möwe ihren rechten Flügel, streckte und schüttelte ihn, dann den linken, und schließlich bewegte sie beide mit gleichmäßigen Schlägen. Es war Zeit aufzubrechen. Mit leisen, schnellen Schritten entfernte sie sich von ihren Artgenossen. Als sie weit genug weg war, breitete sie ihre Flügel aus und schwang sich in die Höhe. Erst flog sie sehr niedrig, dann immer höher und höher.

Aus der Luft sah sie, wie sich der Himmel am Horizont schon rötlich färbte. Viel Zeit blieb ihr nicht, aber es war ja auch nicht weit. Irgendwo auf dem Weg vom Oberland, dem hohen, flachen Teil der Insel, zur Langen Anna war das Tor, das nur wenige kannten. Die Lange Anna ist ein hoher schmaler Felsen, das Wahrzeichen der Insel, der sich an der Nord-West-Spitze erhebt und für Menschen unzugänglich ist. Wegen herunterstürzender Felsbrocken ist es gefährlich und daher verboten, dorthin zu gehen, aber das interessiert ja nun keine Möwe.

Paulina umkreiste den Felsen, flog zum Oberland und stellte sich kurz vor der Klippe so in den Wind, dass sie fast in der Luft stehen blieb, wie ein Kinderdrachen an einer Schnur. Einige Sekunden balancierte sie sich so aus, schwankte leicht nach rechts, dann wieder nach links, bis sie die Flügel anlegte und schräg nach unten in die Tiefe schoss. Paulina steuerte einen Punkt auf dem flachen Inselteil zwischen Oberland und Langer Anna an. Fast sah es so aus, als würde sie in ihrem hohen Tempo auf dem Boden zerschellen, doch plötzlich war sie verschwunden! Weit und breit war keine Möwe mehr zu sehen. Nur wenige Sekunden später, als der orangerote Rand der Sonne über den Horizont trat, schoss Paulina plötzlich wie aus dem Nichts fast senkrecht in die Höhe, kreiste noch einmal über der Stelle und flog zu ihrer Kolonie zurück. In einiger Entfernung landete sie und tapste leise zu ihrem Schlafplatz. Niemand hatte etwas von ihrem Ausflug mitbekommen – und so sollte es erst einmal bleiben. Ihre Artgenossen würden sie sowieso nicht verstehen. Wie denn auch? Den Ort, an dem sie gerade gewesen war, konnte ja niemand sehen!

 

Nachts im Wald

Helga Waldkauz verfütterte das letzte Stückchen Maus an ihr Junges. Wo blieb nur ihr Mann? Er wollte etwas weiter entfernt noch ein paar kleinere Tiere jagen, doch er hätte längst zurück sein sollen. Nach der kleinen Mahlzeit schmiegte sich der junge Kauz Hubsi dichter an seine Mutter, um vor dem kalten Regen Schutz zu finden. Eigentlich hatte er schon wieder Hunger, aber Papa war noch immer nicht zurück. Nach einer Weile hielt er es nicht mehr aus: »Mama, ich habe Hunger!«

»Ich weiß. Ich will gleich losfliegen und nachsehen, wo Papa bleibt. Duck dich und verhalte dich ganz still, damit dich niemand sieht!« Daraufhin strich Helga mit ihrem Flügel über Hubsis Köpfchen und schwang sich lautlos in die Nacht. Hubsi schaute ihr einen Moment nach, dann machte er sich noch kleiner und wartete, bis er schließlich einschlief und von Essen träumte.

 

In diese Richtung war er doch geflogen, dachte Helga Waldkauz, als sie kurz auf einem Ast ausruhte. Sie drehte ihren Kopf und spähte in alle Richtungen durch die Nacht. Das wenige Licht der Sterne, das durch das Blätterdach drang, reichte ihr normalerweise aus, um Beute und Gefahren gleichermaßen gut zu erkennen, doch heute war von den Sternen wegen der Wolken nichts zu sehen. Wo war nur ihr Mann abgeblieben? Wieder stieß sie sich vom Ast ab und segelte im Tiefflug zwischen den Bäumen weiter. Plötzlich tauchte ein Licht auf. Es kam so schnell näher, dass Helga gar nicht mehr reagieren konnte. Schmerzhaft spürte sie noch, wie das Dach des Autos sie streifte, dann wurde es für sie dunkel.

Als Hubsi wieder erwachte, schmatzte er noch vergnügt seinen Träumen hinterher. »Mama, ich habe von ganz viel Essen geträumt! Mama?« Erschrocken bemerkte er, dass seine Mutter noch gar nicht zurück war.  Die Angst überrollte ihn wie eine Lawine und vertrieb jegliche Freude, die sich bei der Erwartung eines tollen Essens eingestellt hatte.  Ganz vorsichtig hob er sein Köpfchen und spähte über den Nestrand hinaus. Wo war sie denn nur? Hubsis Hunger wurde immer größer. Er wartete und wartete, eine Minute, eine viertel Stunde, eine Stunde, bis er es schließlich nicht mehr aushielt. Er richtete sich auf, blickte nach allen Seiten und stieg auf den Rand des Nestes. Fliegen? Oje! Hubsi war noch nie geflogen! Wenn er aber hier noch länger wartete, würde er vielleicht verhungern. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen, schlug hastig mit den kleinen Flügeln und machte einen Schritt ins Nichts. Als der Sturz in die Tiefe begann, flatterte er erst hektisch, dann bekam er Angst und hielt sich mit den Flügeln die Augen zu. Platsch! Aua! Etwas unsanft war der kleine Waldkauz auf dem zum Glück sehr weichen Waldboden aufgekommen. Langsam nahm er die Flügelspitzen wieder von den Augen, richtete sich auf und prüfte seinen schmerzenden Körper. Erst die Flügel, dann die Beine, dann der Rest des Körpers. Es tat zwar alles ein bisschen weh, schien aber ansonsten in Ordnung zu sein. Er schüttelte sich kräftig, um Blätter, kleine Ästchen und Erdreich loszuwerden.

Und wo ging es jetzt zu seinen Eltern? Hier vom Boden aus wirkte der Wald ganz schön unheimlich. Kein Schutz durch Baumkronen und Nest und dann noch Gefahren wie größere Tiere, Einsamkeit und Hunger. Hubsi bekam es mit der Angst, vielleicht hätte er doch im Nest warten sollen. Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen. Jetzt musste er weitergehen, wenn er nicht verhungern oder zur Beute von anderen Tieren werden wollte.

 

Das Tor schließt sich!

Ein neuer Morgen war angebrochen. Wie eine über die Steppe galoppierende Herde abstrakter Wildpferde jagten die Wolken über den Nordseehimmel und ließen nur hin und wieder eine Lücke für das spärliche Licht der Morgendämmerung. Paulina schlich sich wie so oft in letzter Zeit lautlos davon, schwang sich in die Lüfte und steuerte die Nordküste an. Es war für sie die schönste Zeit des Tages, wenn sie sich über den Klippenrand kurz vor der Langen Anna in die Tiefe stürzte und plötzlich in einer scheinbar anderen Welt wieder auftauchte – in ihrem geheimen Zaubergarten! Er war fast wie ein Paradies. Hier gab es keinen langweiligen Überlebenskampf um Futter. Sie hatte das unsichtbare Tor nur durch Zufall gefunden. Unzählige Male war sie schon über diese Gegend geflogen, ohne dass sich irgendetwas Ungewöhnliches ereignet hatte, doch es kam die Zeit, in der sie immer unzufriedener wurde. Das Leben einer Möwe schien für sie von Tag zu Tag sinnloser. Es musste doch noch mehr geben. Hatte das Leben denn gar keine Geheimnisse mehr? Sie hatte sich an eine Legende von einer anderen Möwe erinnert, die ebenfalls mehr vom Leben erwartet hatte, als nur Futter zu suchen und Nachkommen zu zeugen. Doch leider war sie von ihrem Schwarm ausgestoßen worden. Mehr wusste Paulina von diesen geheimen Erzählungen nicht. Und da sie nicht wollte, dass es ihr genauso erging, verriet sie nichts von ihren Sehnsüchten. Als sie eines Tages mit dem festen Entschluss, neue Geheimnisse des Lebens zu entdecken, wieder zwischen Klippenrand und der Langen Anna herumflog, war sie unwissentlich durch das unsichtbare Tor in eine geheimnisvolle Welt geflogen.

Paulina ließ sich jetzt im Aufwind noch etwas hin und her treiben und genoss das Spiel mit der kräftigen Brise. Dann legte sie die Flügel an und schoss nach unten. Erst kurz vor dem Boden merkte sie, dass sie das Tor verfehlt hatte! Sie war noch immer über Helgoland, jetzt aber nur noch wenige Meter über der schnell näher kommenden Erde. Im letzten Moment breitete sie die Flügel etwas weiter auseinander und zog kurz vor den Felsen wieder nach oben. Mann, war das knapp!

Paulina drehte langsam eine Runde über dem Gebiet, um sich wieder zu beruhigen. Mit ihren Augen versuchte sie im Dämmerlicht zu erspähen, ob sich irgendetwas verändert hatte, aber alles schien so wie immer zu sein. Als sie wieder eine passende Abflugstelle gefunden hatte, stürzte sie sich erneut nach unten, diesmal aber wesentlich vorsichtiger. Und wieder musste sie sich kurz vor dem Boden nach oben schwingen. Wo war denn das Tor geblieben?

 

Neue Freunde

Hubsi lauschte. Da raschelte doch etwas! Ganz ruhig verharrte die kleine Eule auf dem nassen Waldboden und zitterte vor Kälte und Angst. Ob sie den gefürchteten Eulenschrei loslassen sollte? Es soll ja Menschen geben, die davor Angst haben. Aber Hubsi war noch zu klein. Als nur ein einem Fiepen ähnlicher Laut aus seinem Schnabel drang, war es plötzlich ganz still. Ob er die Gefahr vertrieben hatte? Aber dann raschelte es schon wieder. Waren da nicht auch noch Stimmen?

»Hast du das gehört? Das war doch bestimmt eine Eule!«

»Ach, was du wieder hast. Dieses Krächzen war bestimmt keine Eule!«

»Aber die Schritte!«

»Meinst du, Eulen gehen zu Fuß? Jetzt lass doch mal dieses Angstgerede sein und lass mich lieber noch mal die Karte studieren!«

Hubsi spitzte die Ohren. Da sprach jemand über Eulen! Es gab jemanden, der vor ihm Angst hatte? Vor so einer kleinen Eule? Ganz vorsichtig setzte Hubsi einen Fuß vor den anderen und näherte sich dem piepsigen Geschnatter. Hinter einem kleinen Busch sah er sie endlich: zwei kleine Mäuse mit einem Stück Papier! Während die eine Maus so tat, als würde sie wissend auf dem Papier etwas lesen können, sah sich die andere ständig ängstlich um.

»Also, hier steht ...«, fing die mutige Maus wieder an. »Hier steht ... na ja, also hier würde sicher irgendetwas von einem Schatz stehen, wenn es nur nicht so dunkel wäre!«

»Du weißt also überhaupt nicht, was auf dem Papier steht?«, fragte die ängstliche Maus verwundert.

»Doch, natürlich!«, antwortete die mutige gereizt. In der aufkommenden Verlegenheit fuhr sie hektisch fort: »Also, der Schatz, liegt unter einer großen Eiche vergraben und besteht aus einem endlosen Vorrat von Nüssen!«

Hubsi fragte sich, worüber die beiden eigentlich sprachen, und beobachtete sie weiter mit ihrem scharfen Nachtblick. Sicher sehen auch Mäuse im Dunklen gut, aber das Papier war selbst für Hubsi nur schwer erkennbar, dennoch konnte er es lesen. Plötzlich lachte er laut los!

Die Mäuse sahen erschrocken zu der zwar kleinen, aber doch für Mäuse recht großen Eule und erstarrten vor Schreck. Die schlauere von den beiden fasste sich zuerst wieder und schrie: »Eine Eule, nichts wie weg!«

»Aber Eulen lachen doch nicht!«, antwortete die ängstliche Maus und versuchte die Tatsache, dass vor ihnen ein Eulenbaby saß, zu ignorieren.

»Wollen wir jetzt diskutieren, ob Eulen lachen oder nicht, während diese wilde Bestie sich auf uns stürzt?«

»Wollen wir uns jetzt vor diesem lachenden Wollknäuel lächerlich machen, bevor wir wissen, was es eigentlich genau ist?« Wütend stellte sich die ängstliche Maus auf die Hinterbeine und stützte ihre Fäuste in die Hüften. Für einen Moment vergaß sie ihre Angst.

»Habt ihr meine Mama gesehen?«, fragte plötzlich Hubsi die beiden streitenden Mäuse, die augenblicklich innehielten und ihn anstarrten.

»Äh, nein, und wenn, dann wären wir jetzt schon Futter für dich!«, antwortete die schlauere. Hubsi legte etwas ungläubig den Kopf schief, richtete ihn wieder auf und ging vorsichtig ein paar weitere Schritte auf die beiden Mäuse zu. »Halt!«, rief die schlaue Maus. »Keinen Schritt weiter!«

Hubsi erstarrte. »Warum?«

Die schlaue Maus war verwirrt. »Na ... äh ... aber du bist doch eine Eule!«

»Ja schon, aber ich bin noch ganz klein. Was ist denn an Eulen so schlimm?«

»Na, Eulen fressen doch Mäuse!«, traute sich jetzt endlich auch die ängstliche Maus zu antworten.

»Ich fresse nur tote Tiere!«, sagte Hubsi und ging noch einen Schritt weiter.

Schon wollte die schlaue Maus wieder aufschreien, aber dann entschied sie sich doch, beherrscht auszusehen. »Na, was glaubst du denn, wer die Tiere für dich tötet?«

Hubsi blickte fragend von der einen Maus zur anderen und zuckte kaum sichtbar mit den Schultern. »Keine Ahnung! Meine Eltern bringen halt kleine tote Tiere mit. Die werden sicher irgendwo herumliegen.«

Die Mäuse sahen sich sprachlos an. War das ein Trick oder hatte dieses Eulenbaby wirklich keine Ahnung? »Deine Eltern töten Tiere wie uns, damit du genug zum Fressen hast!«

Die großen Augen der kleinen Eule wurden noch größer. »Nein!«

»Doch!«, sagte die schlaue Maus. »Sie können höchstens warten, bis eines dieser Menschenfahrzeuge ein Tier überfährt, aber das passiert viel zu selten. Eulen fressen nun mal Tiere.«

Der kleinen Eule rann eine Träne aus dem Auge. »Aber ich habe doch so großen Hunger!«

»Oje«, fing jetzt die ängstliche Maus an, »müssen wir jetzt wegrennen?«

Die schlaue Maus bekam Mitleid mit der Eule und fragte schließlich: »Wie heißt du denn?«

Hubsi wischte sich die Tränen mit dem Flügel weg. »Hubsi Waldkauz! Aber ich kann keine Tiere töten! Muss ich jetzt verhungern?«

»Also, ich bin Franz Waldmaus, und das ist mein Bruder Hans!«, sagte die schlaue Maus.

»Der schlaue Franz und der ängstliche Hans!«, lachte die kleine Eule wieder.

»Also ... also, äh ...«, begann Hans Waldmaus, »mein Bruder ist vielleicht schlau, aber ich bin nicht ängstlich!«

Hubsi hob sein kleinen Flügelchen und rief: »Huhu!«

Hans rannte zu seinem Bruder und klammerte sich an ihn. »Hilfe, er will uns fressen!«

Hubsi und Franz lachten los. »Und du hast also keine Angst!?«, sagte die kleine Eule. »Also, vor mir brauchst du bestimmt keine zu haben, ich habe doch schon gesagt, dass ich niemanden töten kann!« Hubsi watschelte zu den beiden Mäusen und reichte dem zitternden Hans seinen rechten Flügel zur Begrüßung. Ganz langsam traute sich Hans Waldmaus hinter seinem Bruder hervor, stupste erst vorsichtig an den Flügel und stellte sich dann auf die Hinterbeine. Mit seinen beiden winzigen Mäusevorderpfoten schüttelte er mit aller Kraft den kleinen Flügel, der sich aber kaum zu bewegen schien. Alle drei waren erleichtert, keine Angst mehr voreinander haben zu müssen.

»Wovon lebt ihr denn?«, fragte Hubsi und kam mit seinem knurrenden Magen gleich wieder auf das Essen zu sprechen.

»Also, wir essen fast alles«, sagte Hans, der jetzt bedeutend mutiger wirkte. »Nüsse, Eicheln, kleine Käfer und Würmer.«

»Aber dann müsst ihr ja auch Tiere töten!«, sagte Hubsi verwundert.

»Ja!«, antwortete Franz. »Das ist in uns eben so angelegt. Die größeren Tiere fressen die kleineren. Das ist normal und nicht schlimm. Hans bedankt sich sogar jedes Mal bei einem Insekt, bevor er es isst! Aber wir können dir ja nun schlecht helfen, Mäuse, wie wir es sind, zu töten!«

»Aber ich habe doch so großen Hunger!«, krächzte das Eulenbaby verzweifelt.

»Oje«, sagte Hans, »das klingt ja so traurig, dass ich mich schon fast selbst opfern würde!«

»Untersteh dich!«, fauchte ihn sein Bruder an und wandte sich wieder an Hubsi. »Wir werden dich kaum so schnell in einen Vegetarier verwandeln können, aber ...«

»Was ist ein Vegetarier?«, unterbrach ihn Hubsi.

Franz rollte mit den Augen und tat sehr wissend. »Also, Vegetarier sind Lebewesen, die sich nur von Pflanzen ernähren.«

»Und von Käse!«, warf Hans eifrig dazwischen.

Franz sah ihn wegen der Unterbrechung verärgert an. »Ja, auch Käse! Also auch Essen, das von noch lebenden Tieren stammt. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Wir könnten doch mal vorsichtig Richtung Straße gehen. Vielleicht finden wir ja ein frisch überfahrenes Tier. Damit könnten wir deinen Hunger erst einmal stillen. Was ist denn eigentlich mit deinen Eltern? Normalerweise sorgen Euleneltern für ihr Junges und nicht Mäuse!«

Hubsi erzählte, dass erst sein Vater und dann auch seine Mutter nicht mehr wiederkamen und er schließlich aus dem Nest gesprungen und nun hier bei ihnen angekommen war. »So, so«, meinte Franz nachdenklich, »dann ist ihnen scheinbar etwas zugestoßen. Und nun muss Eulenfutter ein Eulenbaby adoptieren!«

»Aber jetzt sei doch nicht so hart!«, meinte Hans. »Deine Idee mit der Straße klang doch ganz gut!«

»Klar, ist ja auch von mir! Also, Wollknäuel Hubsi, dann komm mal mit, damit etwas Vernünftiges in deinen Magen kommt!« Daraufhin faltete Franz sein geheimnisvolles Papier und schoss davon. Hubsi und Hans warfen sich einen kurzen Blick zu und folgten nebeneinander dem flinken Anführer. Da Hubsi zu Fuß sehr langsam war, nahm Hans sein Tempo zurück und passte sich an dessen Geschwindigkeit an. Plötzlich blieb Franz abrupt stehen, lauschte und schnüffelte. Als Hans und Hubsi bei ihm angekommen waren, verharrten auch sie regungslos und spitzten die Ohren. Da raschelte etwas. Es kam auf sie zu! Keiner der drei wagte es, sich von der Stelle zu rühren, bis die Mäuse, für Hubsi völlig unerwartet, sich rechts und links unter seinen Flügeln versteckten. ›Und jetzt muss ein Waldkauz seine Beute beschützen?‹, dachte Hubsi noch so, als plötzlich etwas Riesiges vor ihnen stand. Hubsi und die Mäuse zitterten, zum Fliehen war es zu spät. War das große unbekannte Wesen vor ihnen gefährlich?

 

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